Mattancherry Palace — ein bescheidenes Behältnis alter Schätze Indiens
Auf den ersten Blick mag der Bau mit dem pompösen Namen «Mattancherry Palace» enttäuschen: Das Gebäude ähnelt eher einem mittelalterlichen Lagerhaus als einem luxuriösen exotischen Herrenhaus. Doch hinter der trügerischen Schlichtheit verbirgt sich das Wesentliche — die Schätze des Palastes werden im Inneren aufbewahrt. Das sind einzigartige Wandmalereien, Porträts der Herrscher von Kochi, eine reiche Sammlung von Waffen und Gegenständen des königlichen Alltags. Selbst ein ununterbrochener Besucherstrom hindert nicht daran, den künstlerischen Wert der Exponate zu würdigen.
Der Holländische Palast portugiesischer Bauart
Im Süden Indiens, im Bundesstaat Kerala, der für seine Strände und ayurvedischen Kliniken bekannt ist, liegt die große Hafenstadt Kochi (Cochin) — eines der ältesten Zentren des Gewürzhandels. Genau hier befindet sich der Mattancherry Palace, der um 1545 erbaut wurde.
Im Jahr 1502 gründete der berühmte portugiesische Seefahrer Vasco da Gama in Cochin die erste europäische Faktorei in Indien — eine Handelsniederlassung von Europäern in einem Kolonialland. Später wurde hier zum Schutz der Kaufleute und Waren eine Militärfestung errichtet.
Obwohl der Palast von den Portugiesen erbaut wurde, nennt man ihn oft den Holländischen Palast. Der Grund: Mehr als hundert Jahre nach dem Bau, im Jahr 1663, eroberten die Holländer dieses Gebiet. Sie erneuerten das Gebäude gründlich, ohne jedoch seinen Stil oder seinen Grundriss zu verändern.
Mattancherry Palace — Fotos der Sehenswürdigkeit
Ein Palast, ein Lagerhaus, eine Festung oder ein Heiligtum?
Das Aussehen des Gebäudes wird seinem pompösen Namen wirklich nicht gerecht: Es ist eher ein praktischer mittelalterlicher Bau für Lager und Kontore als ein Palast. Das von Bäumen befreite Areal, die hoch angebrachten Fenster und Türen, die schmiedeeisernen Gitter in den Fensteröffnungen — all das waren notwendige Sicherheitsmaßnahmen jener Zeit, Schutz vor Überfällen.
Der große viereckige Bau mit einem Innenhof wurde ein Geschenk der Portugiesen an die königliche Dynastie der Herrscher von Kochi. In der Mitte des geräumigen Hofes steht ein Tempel einer hinduistischen Göttin — der Schutzpatronin der königlichen Familie von Kochi. Auf dem Palastgelände gibt es zwei weitere Tempel, die Shiva und Krishna geweiht sind. Ein Teil des Gebäudes ist einem aktiven hinduistischen Tempel vorbehalten, zu dem Touristen keinen Zutritt haben.
Die Schätze des Holländischen Palastes
Der Mattancherry Palace ist berühmt für seine Sammlung schöner Fresken, die hinduistische Götter, Szenen aus den Epen «Mahabharata» und «Ramayana» sowie Motive aus den Werken des berühmten Dichters Kalidasa darstellen. Die farbenprächtigen, kunstvoll ausgeführten Malereien nehmen fast 300 Quadratmeter Wandfläche ein. Je tiefer man in das Gebäude vordringt, desto mehr entfalten sich vor dem Betrachter ganze epische Geschichten über das Leben der Götter und der alten Herrscher.
Augenzeugen berichten von ungewöhnlichen Bildern: Die Augen der gemalten Figuren scheinen die vorbeigehenden Besucher zu beobachten, und die Schuhspitzen auf einem Fresko scheinen sich je nach Blickwinkel leicht zu verschieben.
Zu den Exponaten des Museums gehören lebensgroße Porträts der Herrscher von Kochi, zeremonielle Schmuckstücke und Waffen, Münzen und Karten der Kolonialzeit. Von besonderem Interesse ist das fast unverändert erhaltene königliche Schlafgemach: Seine Wände und Decke sind mit Dutzenden farbenprächtiger Fresken bedeckt, die die «Ramayana» illustrieren — die Erzählung von den Wanderungen Ramas, des legendären Herrschers des alten Indien. Seit Jahrhunderten wird dieser Text als einer der heiligen Texte im Hinduismus verehrt.
Informationen für Touristen
Der Mattancherry Palace gehört zu vielen beliebten Touristenrouten, und es kommen oft Schulausflüge hierher, daher ist der Ort belebt und laut. Die steile und hohe Eingangstreppe ist nicht für Menschen mit Behinderungen geeignet. Das Museum ist von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet; Ruhetag ist Freitag.
Kochi ist das Tor nach Kerala, wo man anbietet ayurvedische Programme in Kerala: Ein Besuch des Palastes lässt sich mit einer Gesundheitskur verbinden.
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